Grundeinkommen??

(oben: 900 Bettler in Herisau AR, Hungersnot 1817: so weit ist es heute nie)


... und immer wieder taucht diese Idee auf, "une idée généreuse", wie man in Frankreich sonst spottet. Sehr Linke, aber auch sehr wohlmeinende Reiche schwenken neuerdings auf diese Idee ein. Mehr als eine Idee ist es leider nicht, denn:

  • Manche befürchten Massenarbeitslosigkeit, wegen der IT, der Automatisierung, der Globalisierung, dem Corona-Virus und finden, wenn 20-30% arbeitlos wären, dann ein Grundeinkommen für alle. Doch halt - wenn wirklich soviele Arbeitslose da wären, dann wären auch 20% der Firmen bankrott, dann hätte der Staat 20-30% weniger Steuereinnahmen. Und gerade in diesem Moment wollen die Wohlmeinenden also dem Staat die grösstmöglichen Ausgaben überbürden. Schlecht überlegt.
  • Wichtiger das Grundsätzliche noch. Zu suggerieren, dass der grösste Teil der Einwohner ohne die sanfte Fuchtel des Leistungszwangs leben kann - alle leben auf Kosten aller - verkennt die "condition humaine", die Tatsache, dass der Mensch sein Leben dem Umfeld abringen muss. Jede Gesellschaft zerfällt, welche grosse Teile von einem Beitrag dispensiert (für Philosophen: die iustitia commutativa wäre aufgehoben, zugunsten einer totalen "iustitia" distributiva).
  • Unbequem für Linke wäre dann auch die totale Schliessung der Grenzen gegen andere Menschen, denn arbeitsfreies Einkommen in reichen Ländern ist der Magnet, der die ärmeren Länder definitiv entleeren würde.
  • Sodann haben die reichen Länder nun ihre Wohlfahrtseinrichtungen lückenlos ausgebaut, es stirbt niemand blutend vor einem Spital, es hungern keine Rentner. Das Wunder dabei - es gilt das V, das Versicherungsprinzip. Prämieneinzahlung und Leistungsansprüche entsprechen sich ungefähr (Aequivalenz). AHV, IV, SUVA, ALV, KrankenVersicherung, alles Versicherungen, die auf den Fall eingetretener Risiken zielen und zahlen. Situativ, keine teure Giesskanne.
  • Oder aber die vorgeschlagenen Grundeinkommens-Ansätze sind immer tiefer als die meisten Leistungen dieser Versicherungen. Das Argument der Vereinfachung zieht daher nicht - es bräuchte weiterhin die fallweise Absicherung.
  • Und zuletzt: schon jetzt überbieten sich die Parteien und Populisten im politischen Wahlwettbewerb mit Versprechen, schon jetzt zieht die Hàlfte der Einwohner Geld vom Superstaat. Schon jetzt bieten die Parteien in Staaten mit Mindestlöhnen diese im Wahlkampf stets hinauf. Ein Grundeinkommen wäre das absolute Wahlkampfthema der Zukunft: wer bietet mehr?

Kurz: nicht fünf Minuten nachgedacht!