Finanzkrise: die Reformen

Ein Kreditsystem ohne Krisen, ohne Hebelwirkung, ohne Inflation    

Schön wäre es, wenn sich Banken mit Krediten nicht mehr übernehmen könnten, wenn die Einlagen der Kunden ganz sicher wären und auch nie wieder Krisen entstünden. Die Vorschläge zu Bankgeschäften der anderen Art gibt es, von Nobelpreisträgern, Konservativen und Linksgrünen. Doch die Regulierungen oder höheren Eigenmittel der Banken, welche verlangt werden, beseitigen das "too-big-to-fail" nicht, sie schaffen im Gegenteil noch mehr Risiken (s. "Knapp daneben" auf dieser Webseite).
 
Vollreservenbanken ohne Geldschöpfung

Nein, die Banken sollen nur noch das Geld der Kunden treu aufbewahren, es aber nicht mehr zu immer neuen Krediten ausleihen und damit die Geldmenge ausweiten, wie die bestehenden Privatbanken. Denn heute legt das Publikum Geld bei den Geschäftsbanken ein. Damit erteilt die Bank Kredite, welche vom Schuldner für Käufe aller Art auf andere Banken überwiesen und damit dort erneut zu Einlagen werden. Die ursprünglichen Einlagen von Noten vermehren sich innerhalb des Banksystems mit solchen Verbuchungen – zusätzliches „Buchgeld“ wird geschaffen. Dieses ist in allen Ländern fünf, zehn Mal umfangreicher als das von der Notenbank ausgegebene Geld. Die Banken verdienen an der Zinsdifferenz und sind immer wieder versucht, die Einlagen für zu viele Kredite zu strapazieren. Ausserdem sind die Einlagen meist auf kürzere Frist als die damit belegten Kredite in der Bankbilanz (Fristeninkongruenz) - die Banken sind grundsätzlich illiquid, wenn die Einleger ihr Geld sofort wollen, wie 2008 nach dem Lehman-Konkurs. Und illiquid sind dann grosse wie kleine, und gleich in Kettenreaktion.

Die alte österreichische und die frühe Chicagoer Denkschule mit Milton Friedman, der ökosoziale Professor Joseph Huber aus Halle, Nobelpreisträger Maurice Allais von 1988, der konservative spanische Oekonom Jesus Huerta de Soto und sogar eine Studiengruppe des Weltwährungsfonds ("The Chicago Plan") schlagen daher vor, die Geldeinlagen der Kunden als unantastbares Depot zu behandeln, ähnlich wie Wertschriften, die man auch auf der Bank deponiert. Denn die Wertschriften stehen nicht in der Bankbilanz, sondern werden treuhänderisch verwahrt und unterstehen nur dem Zugriff des Kunden. Die Bank dient in einem ersten Schritt also für das eingelegte Geld nur als Tresor. Kredite erteilt sie mit eigenem Bargeld, oder aber, als zweiten Schritt, mit Erlaubnis der Kunden. Sie vermittelt diese Kreditgeschäfte direkt zwischen dem Schuldner und dem Einlagekunden. Mit der zu erwartenden Routine solcher Vermittlungen entstehen dann Geldmarktfonds, Investmentfonds, welche die Banken den Kunden zur Anlage empfehlen. Diese Fonds finanzieren die Industrie, wie heute die Kredite der Banken es tun. Die Fonds zeichnen Aktien oder geben Darlehen. Der Kunde erwirbt auch direkt Aktien, Obligationen von Firmen, die sich damit finanzieren. Der Kunde trägt alle Risiken, er ist am Ertrag seiner Anlagen beteiligt, nicht am Zins aus der Bank.
Eigentlich entspricht dies der heute schon geläufigen Multi-Milliardenpraxis des Islamic Banking. Im Fachjargon der Befürworter nennt man dieses nicht-geldschöpfende Banksystem „Vollreserven-Bank“ oder „narrow banking“.  Denn jeder bar eingelegte Franken des Sparers entspricht nur einem ausgeliehenen Franken an die Wirtschaft. Die Banken machen den Gewinn nicht mit einer aufgeblähten Kreditsumme und der Zinsmarge darauf, sondern mit den Vermittlungs-, Beratungs- und Depotgebühren.

Inflation weg. Steuern weg. Gold her

Zwei Fragen sind dabei allerdings zu lösen. Was hat der Kunde von seiner allenfalls zinslosen Bareinlage im Banktresor, wenn sie durch Inflation angenagt wird?  Und gibt es genug Finanzierungsvolumen für das wirtschaftliche Wachstum, wenn die Geldmenge nur von der Notenbank ausgegeben, nicht aber vom privaten Banksystem ergänzt wird? Die Verfechter der Vollreserven-Bank stabilisieren daher die Geldschöpfung an sich und fordern ein Ende der heute laufenden Inflation. Denn auch der als stabil hochgelobte Euro beispielsweise hat schon über 10% der Kaufkraft verloren, der Franken seit 1914 neun Zehntel, der Dollar 95% und Lira, Franc 99,9% des Werts - seit es nämlich Notenbanken gibt, welche eben die Kreditschöpfung bevorschussen. Trotz detaillierter Regulierungskompetenzen läuft den Notenbanken die private Geldschöpfung meist davon.
Der ökosoziale Joseph Huber will, dass nach einer Uebergangsphase alles Geld nur noch von der Notenbank kommt, aber etwa so viel wie die ausgegebenen Banknoten und das aus Krediten geschaffene Bankengeld zusammen. Die Notenbank wäre politisch völlig unabhängig, würde so viel Geld ausgeben, wie die wachsende Wirtschaft braucht, und zwar indem sie es dem Staat gratis abgibt. Der „Prägegewinn“ käme dann dem Staat, nicht den Geschäftsbanken zu und würde geringere Steuern erlauben. Dabei wären dies nicht enorme Summen. Für die Schweiz etwa, wo die Geldmenge M1 in den letzten Jahren sogar sank, würde die Nationalbank den Kantonen oft weniger Gewinne verteilen als heute.
Diese eher linke Variante gefällt den konservativeren Oekonomen nicht. Sie verlangen entweder Geld, das nur von privaten Notenbanken ausgegeben wird, und/oder voll mit Gold gedecktes Geld. Letzteres löst gemäss Huerta de Soto auch das Zinsproblem. Da die Goldmenge weltweit seit je um etwa ein Prozent wächst, die Wirtschaft aber um zwei bis drei Prozent produktiver wird, also wächst, sinkt das Preisniveau laufend ein wenig. Die wachsende Kaufkraft des Geldes belohnt die Bareinleger  an Stelle des Zinses, aber auch die Lohnempfänger in der Wirtschaft. Würden zudem private Notenbanken das Geld schaffen, wie beim Schweizer Franken während 60 Jahren von 1848 bis 1907, dann würde deren Konkurrenz um Seriosität die Inflation ebenfalls verhindern. Ausserdem war das Geld jener enormen Wachstumsepoche durch Gold gedeckt. Die Vorschläge erinnern an jene ferne Welt mit ihrem Wachstum, politikfreiem Geldwert und offenem Weltkapitalmarkt.  
Eine mittlere Variante würde massvolle Kreditschöpfung durch die Banken insofern zulassen, als diese die festen Einlagen auf Zeit für Kredite verwenden dürften. Damit wäre die Fristenkongruenz gewahrt - Aktiven und Passiven wären "gleichentags" fällig.

Volle Texte Huerta de Sotos und Hubers: www.jesushuertadesoto.com www.neweconomics.org  sowie eine Diskussion aller möglichen Varianten bei: www.sovereignmoney.eu


Denn Politik verursachte die Finanzkrise

Für die Finanzkrise waren einerseits demagogische Regulierungen schuld, andererseits die Hebelwirkungen dank viel zu günstiger Zinsen. Die Demagogie stammte aus den Vorgaben der Regierungen Carter, Reagan, Clinton und Bush seit Jahrzehnten. Die zwei Hypothekengiganten der USA mussten immer höhere Teile der Ausleihungen an minderbemittelte und minderheitliche Gruppen gewähren, zuletzt 52% aller Ausleihungen. Das waren Hunderte von Milliarden Dollar, die politisch gezielt an Haushalte flossen, welche definitionsgemäss ausserstande waren, Zinsen und Rückzahlungen zu tragen. Wenn eine Bank diese Anteile nicht schaffte, konnte man sie vor Gericht verklagen, wie seinerzeit ein umtriebiger Anwalt es tat, mit Namen Barack Obama.

Die Bank- und Finanzinstrumente waren nicht Ursache, sondern eben nur instrumental


Die Banken hatten deshalb nur ein Ziel – diese Hypotheken aus ihrer Bilanz zu schaufeln. Sie packten sie in Pakete um, die sie zu Hunderten von Milliarden an Banken und  Investoren in aller Welt verkauften. Diese finanzierten sich mit günstigen Obligationen und lebten herrlich von der Zinsdifferenz, aber mit hohem Schuldenhebel.  Ging es schief, dann wurden die Eigentümer der Obligationen und Darlehen an diese Paketkäufer voll schadlos gehalten, weil zuerst die Aktionäre der Banken und Investoren ihr Geld verloren und nachher sofort der Staat eingriff, um die Banken zu retten.

Jedoch mit Regulierungen der besseren Art, nämlich narrow banking, sind Politiker, Zentralbanker, Ethiker und Regulatoren weitgehend verzichtbar in der Bankenaufsicht.
Wie im römischen Recht wird es heissen, niemand anders als „der Käufer muss sich vorsehen“ (caveat emptor).  Anstatt den Spieltrieb und die laufenden Innovationen der Finanzleute zu überwachen und zu bremsen, muss man ihnen die Spielzeuge zu Werkzeugen machen. Dann werden sie ernsthaft, risikobewusst, und ihre Chancen auf Boni sind automatisch beschränkt. Die Bankkunden und Geldgeber müssen auf die Risiken hin gelenkt, statt durch demagogische Politikerversprechen immer neuer Regulierungen davon entbunden werden. Analog zum Tabak sollte dann über Bankportalen stehen, „Ihr Vermögen ist hoch gefährdet“.

Die Geldschwemme seit 2008 als neuer Krisenherd und Vorbote der Sklaverei
Die dauernde Ankurbelung der Nachfrage durch Staatsdefizite seit 50 Jahren hat die westlichen Staaten ruiniert. Was John M. Keynes in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre empfahl, nämlich den Staat als letzten Nachfrage-Garanten dank seiner Defizite zu machen, das wurde seit 1963 bei kleinsten Problemen Jahr für Jahr übertrieben angewendet - bis zur völligen Ueberschuldung. "The keynesian endpoint has been reached" (T. Crescenzi) - diese Wirtschaftspolitik, favorisiert von der linken Seite, hat abgewirtschaftet. Sie kann rein technisch, angesichts des Schulden- und Defizitstands, nicht mehr eingesetzt werden.

Die Schulden sind unbezahlbar geworden, und die unliberale Uebernahme der Bankschulden nach 2008 in den meisten Ländern hat den Staat vor deren Kandare gespannt. Die Notenbanken der USA, Britanniens, des Euro und Japans kauften seither massiv Staatsanleihen auf, setzten dafür Geldmassen in die Welt. Die Banken ihrerseits halten Staatspapiere, die übrigens befreit sind von Eigenkapitalunterlegung in den Banken. Heute sind Zentralbanken, Banken und Staaten des Westens untrennbar ineinander verkrallt, alle sind Gegenpartei zu einander.
Die Geldstütze senkte die Zinsen für die Staaten auf ein Drittel, ein Fünftel dessen, was sie nach risikogemässer Art wären, womit aber die USA, England, Japan und das lateinische Europa bankrott wären. Denn die laufenden Defizite sind trotz Lippenbekenntnissen der Politiker immer noch höher als Prozent des Inlandprodukts als das nominale Wachstum desselben. Eine klassische Schuldenschere! Es kann nur schlimmer werden.
Ausser die Notenbanken drücken weiterhin die Zinsen mit viel neuem Geld, ausser die Versicherungen und Pensionskassen werden angehalten, im Inland und in Staatsobligationen ihre Reserven anzulegen - das alles zusammen ist finanzielle Repression. Die Notenbanken können kaum mehr aus der Geldvermehrung aussteigen. Die Politiker halten sich dadurch dispensiert von ernsthaften Reformen der Staatsfinanzen. Tatsächlich würden alle Verteilungskoalitionen der letzten Jahrzehnte über den Haufen geworfen - Rentner, Staatsangestellte, Landwirtschaft, Militär, Bildungsbürokratien, Sozialleistungen aller Art, Gesundheitspflege ohne Kosten etc.
Die Staaten beginnen, Bargeldtransaktionen über 1000 Euro zu verbieten. Die blosse Mitnahme von mehr als 10'000 Euro über die Binnengrenzen der EU ist kriminalisiert. Da schon alle Aktien, Obligationen, Konti elektronisch sind, kann jedes Guthaben der Bürger künftig erfasst und auch amputiert werden. Die versuchte Amputation der Kleinanleger, die realisierte Amputation der russischen Grosseinleger in Zypern 2013 ist diesbezüglich ein Fanal.
Desgleichen steht jetzt Zypern unter Kapitalverkehrskontrollen - erstmals in der Geschichte als Gebiet innerhalb eines Währungsraums! Sollte in Euroland, oder in Japan, oder in den USA das Vertrauen der Bürger in Staatskredit oder Papiergeld - zwei Säulen der Zivilisation - einbrechen und Kapitalflucht einsetzen, könnten die Staaten ihre Bürger bequemstens elektronisch enteignen, einschliessen, besteuern. Auch wer Gold erworben hat, lässt sich elektronisch so ermitteln. Die USA, the land of the free, beschlagnahmten 1934 alles private Gold, dann wertete man den Dollar gegen Gold um 40% ab.
Bargeld, besser noch, Gold ermöglichen aber private Schatzbildung, bei sich, im Schrankfach, ohne Kontrolle, ohne Gegenpartei. Das ist vorbei. "Geld ist geprägte Freiheit", diese Hoffnung Dostojewskis muss wegen demagogischer Politik begraben werden.
Kurz, die Ketten sind bereit, die Sklaverei kann beginnen.